Allgemein, Zhineng Qi Gong

Sonntag in China II

Eigentlich hatte ich vor, öfters über die spannende Zeit hier zu berichten, aber die Realität hat mich eingeholt – es ist nicht spannend. Der Alltag ist eher eintönig. Deshalb jetzt ein Bericht über die Eintönigkeit.
Mein Tagesablauf ist immer derselbe: Aufstehen, Qigong, Frühstück, Qigong, Mittagessen, Qigong, Abendessen, Qigong, Schlafengehen. Sehr spannend. Nur die Qigongeinheiten unterscheiden sich:
Von 7:00 bis 8:00 Uhr Qigong zum Mobilisieren, vor allem für die Wirbelsäule. Übungen mit Vor- und Zurückbeugen sowie Auf und Nieder. Die meiste Zeit verbringen wir vorgebeugt mit den Händen am Boden.

Wirbelsäule aufwecken


Anschließend machen wir ein paar “wall squats”, das sind eine Art Kniebeugen​, abwechselnd schnell und langsam. Im Moment sind wir bei 50, es werden aber jeden Tag mehr.

wall squat


Anschließend gibt es Frühstück, meistens eine Reissuppe, Gemüse und ein hartes Ei, leider ohne Salz. Als Highlight alle paar Tage Nudelsuppe mit Gemüse.
Am Vormittag haben wir die nächste Einheit, zuerst Theorie, dann wieder Praxis und zwar “Three center merge”. Das ist eine Übung, bei der man ca. eine Stunde bewegungslos steht, absolut ohne Bewegung, die Augen geschlossen. Das ist eigentlich sehr spannend, denn nach ca. 15 Minuten fängt man an, den Körper zu spüren, und zwar wirklich heftig. Die Füße schlafen ein, die Oberschenkel verkrampfen, der Rücken tut weh. Der schönste Teil der Übung kommt nach ca. einer Stunde und zwar in der Form der Worte “get ready to finish the practice”. Ein Ziel dieser Übung ist die Muskeln im Laufe der Zeit richtig zu entspannen, um einen ordentlichen Qifluß zu gewährleisten. Während der nächsten Monate wird die “Stehzeit” langsam erhöht, wobei es jetzt nach 14 Tagen schon ziemlich schmerzfrei klappt.

three center merge


Wenn wir uns danach wieder bewegen können, geht es zum Mittagessen.
Am Nachmittag starten wir wieder mit Theorie, anschließend praktizieren wir Qigong. Bei dieser Übung besteht der wesentliche Teil darin, die Arme für längere Zeit waagrecht zu halten. Klingt einfach. Ihr solltet es mal probieren. Nach ca. 5 Minuten fangen die Arme und Schultern an zu schmerzen, nach 10 Minuten tut es richtig weh. Man möchte sie nur mehr hängen lassen. Zur Zeit sind wir bei 20 Minuten, es wird aber noch mehr. Ziel der Übung ist einerseits wieder die Transformation der Muskeln, andererseits geht es darum, den Geist vom Körper zu trennen. Durch tiefe Mediation schirmt man den Schmerz ab, wobei das für uns jetzt noch nicht richtig funktioniert ?. Aber wir arbeiten daran.

Arme gestreckt


Nach dieser Einheit gibt es Abendessen, anschließend nochmal eine Stunde “Three center merge” und damit ist der Tag gelaufen. Mittlerweile ist es 21:00 Uhr, man plaudert noch ein bisschen und dann geht es ab in die Heia.
Hiermit habt Ihr einen Überblick über meine spannenden Tage in China. Mein Fotomodell ist übrigens Dario aus Wien. Wir freuen uns auf Eure Kommentare.

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